Ein Leben als „Readymade“ – angelehnt an die Kunst von Marcel Duchamp – bedeutet, den Alltag bewusst zu wählen und aus seinem ursprünglichen Kontext herauszulösen. Es ist die Kunst, den Dingen durch einen Perspektivwechsel eine neue, tiefere Bedeutung zu verleihen, ohne sie handwerklich verändern zu müssen.
Dieses Konzept lässt sich auf verschiedene spannende Weisen auf dein eigenes Leben und deinen Alltag übertragen:
- Der Kontext macht das Objekt: Duchamp nahm ein Urinal, nannte es Fountain und stellte es ins Museum. Wenn du dich fühlst wie ein Readymade, betrachte deine Alltagsgegenstände und Handlungen aus der Distanz. Welche Dinge umgeben dich, denen du durch einen neuen Blickwinkel oder einen neuen Aufstellungsort mehr Aufmerksamkeit schenken kannst?
- Vom Erschaffen zum Auswählen: Das Konzept verschiebt den Fokus vom „Machen“ (der handwerklichen Erschaffung) hin zum „Wählen“ und Präsentieren. Dein Leben als Readymade bedeutet: Du musst nicht alles selbst erschaffen oder dich verbiegen. Es reicht, die richtigen Entscheidungen darüber zu treffen, was du in dein Leben lässt und wie du es inszenierst.
- Ästhetische Indifferenz: Das Readymade bricht mit traditionellen Schönheitsidealen. Im eigenen Leben heißt das, auf Perfektion zu verzichten. Die Dinge und Situationen sind so, wie sie sind. Ihre Einzigartigkeit entsteht dadurch, dass du sie als deine persönliche Auswahl anerkennst.
- Semantische Aufladung: Durch Kombinationen oder ungewöhnliche Orte entsteht eine neue Geschichte. Wenn du deinen Alltag als Readymade gestaltest, verbindest du bekannte Routinen oder Dinge neu, um neue Fragen aufzuwerfen oder schlichtweg Neugier zu wecken.
